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Weil ich euch gerade zum ersten Mal verstehe...

Ich glaube, ich verstehe gerade zum ersten Mal, wie es hier vielen ging. Ja, man wird unfair, ungerecht und kindisch und man will sich einreden, dass man recht hat, obwohl man gar kein -RECHT- hat.

Menschen verändern sich, sie wollen ihr Image loswerden. Sie stehen da als Mahnmal, wie mein Blog es einst tat. Gegen das Schweigen, das Aufgeben. Ich habe hier mein Recht auf Leben angemeldet und schrieb meine Liebeserklärungen ans Leben, NICHTSDESTOTROTZ wollte ich es: Leben! Leben um jeden Preis und ohne Kompromiss. Das war es, was euch so bewegte, dass man mich nicht brechen konnte und meine Lebensfreude durch all das Eis brach und jede Betäubung und, dass sie gegen all mein Leid anstrahlte. anschrie. Schreib dein Leben auf ein Stück Papier und warte... bis die Zeit vergeht.

Nur, dass Zeit vergeht und irgendwann dann die Zeit KOMMT. Die Zeit, zu gehen... weil Menschen sich zum Glück weiter entwickeln. Ich bin heute keine 20 mehr, keine 25. Ich bin gewachsen und erwachsen und dem Allem hier ENTwachsen und was kann einem Menschen Besseres passieren als sich selbst über den Kopf zu wachsen? Als zu nah am Leben zu sein, um so weit davon entfernt zu sein?

Es war Zeit. Zeit, mein "Image" loszuwerden, Zeit zu gehen. Zeit zu gehen, weil es immer auf´s Gehen ankommt. Man muss sich be-wegen im Leben. Stillstand ist der Tod.

Aber... zum ersten Mal verstehe ich, wie es euch ging. Ihr habt euch beraubt gefühlt und tut es wahrscheinlich noch heute. Einige hier (Chrissi, ich denk grad auch an dich, Ulli auch an dich und an viele andere) wurden mit mir erwachsen. Sie waren 16 Jahr alt, als sie hierher kamen. Ich bekam ihren ersten Liebeskummer mit, ihren ersten Freund, ihren Abiabschluss, ihre Führerscheinprüfung ... ihren Auszug... und heute seid ihr junge Frauen und Männer und studiert... aber während ihr gerade ins Leben gegangen seid, bin ich im Leben angekommen.

Mit 20 ist es so, dass du anfängst mit Allem. Mit 20 brauchst du Gegenwart und mit 30 brauchst du ganz dringend Zukunft. Meine Zukunft war nicht mehr shekaina, sondern Irina. Meine Zukunft war nicht mehr das hier, der Blog und meine Fans, nein, meine Zukunft liegt da draussen und in Menschen, die mich sehen, wie ich BIN und nicht war... weil das alles nicht mehr zählt.

Ich verstehe euch. Zum ersten Mal. Ihr habt hier ein Zuhause gefunden. Wie oft haben mir hier Menschen erzählt, dass sie meinen Blog besuchen, bevor sie überhaupt ihre Mails checken. Ich verstehe das. Ihr ward hier zuhause, viele von euch haben manchmal NUR durch MICH gelebt. Viele von euch fanden hier Mut, Freude, Liebe und Kraft. Ich kann das verstehen und ja, ich habe euch was weggenommen, aber etwas, das MIR gehört(e). Aber, wenn man so lange von etwas Teil ist, hat man irgendwann das Gefühl, dass man ein Recht drauf hat, dass es einem gehört, dennoch ist es nicht so.

Ich habe das Gefühl, dass viele jetzt ihr altes Image aufgeben. Wir sind müde geworden, haben neue Priroritäten gesetzt, was früher ein Drama war, ist es heute nicht mehr ... mich freuen noch immer dieselben Dinge und ich schreibe noch immer Lebenswertlisten. Ich schaukle noch immer bis mir schlecht ist und ich sass grad vor 2 Tagen morgens um sechs hier zuhause und habe Seifenblasen durch die Wohnung schweben lasse. Nein, manches ändert sich nie und ich werde immer die Lebenswertlistenschreiberin bleiben. Aber das Andere bin ich immer seltener, weil das Leben einen ganz neuen Wert bekommen hat die letzte Zeit. Und irgendwann ist man müde.

Es muss jetzt eine neue Generation kommen. Eine neue Generation, die an meiner Front kämpft, die ein Mahnmal gegen das Schweigen ist. Eine neue Generation, die sich offenbart und die keine Schutzschilder braucht, weil ihr Herz alles überdauert. Es muss neue Menschen geben, die ihre Seele in die Welt schreiben, denn Menschen... wie ich müssen dringend leben. Dringend leben, weil so sie solange diesen öffentlichen Kampf führten. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für Andere.

Ich verstehe es. Zum ersten Mal. Möchte sagen: Hör auf, nimm es mir nicht weg! Ich brauche diesen Ort, er ist mein Zuhause.
Und ich habe das Zuhause abgerissen.
Da fällt mir wieder mein alter Vergleich mit dem kleinen Supermarkt ein. Der, in dem du immer wusstest, wo die Gummibärchen sind und dann wird er abgerissen und mit ihm etwas von dir selbst. Vielleicht eine Art von innerer Sicherheit, aber am meisten ein Gefühl von Geborgenheit, Zuhause.

Trotzdem kann ICH loslassen. Man darf Menschen in dieser Welt hier nicht festhalten, wenn sie doch so lange gekämpft haben. Man muss sie gehen lassen, wenn sie einfach nur mehr der Mensch sein wollen, der sie sind und, der NICHTS, absolut NICHTS mit der "öffentlichen" Person zu tun hat.

Man muss sich neue Orte suchen, man muss neue Sicherheit finden und vor allem muss man erkennen und lernen: dass die Menschen, die aus dieser Welt hier gehen, dort draussen weiter leben, dass sie nicht tot sind. Und das muss einem reichen. Reichen, um das Gute in sich zu halten und dankbar zu sein. Dankbar für alles, was man geteilt hat, was man bekommen hat, erfahren hat, was man gelehrt bekommen hat. Dankbar.
Und ich bin es. Dankbar, was ich alles lernen durfte, was ich alles erfahren durfte und, dass ich in all dem PECHSCHWARZEN das LICHTHELLE in dir fand. Ich bin dankbar und werde es immer sein. Verdammt man ist echt traurig... aber man ist auch froh, was man geteilt hat, erlebt hat, dankbar, aber man ist auch traurig. Todtraurig.

Man verliert eine öffentliche Person, einen Ort im Internet, aber man gewinnt einen Freund ausserhalb der Plastikstadt und das ist oft viel wertvoller als alles Andere.
Ja, ihr alle habt mich GANZ verloren, ich weiss, aber... das musste so sein...
Ich verstehe euch. Dieses Gefühl, beraubt zu sein. Dieses Gefühl, dass dir jemand was wegnimmt, was dir nie gehört hat und dir nicht gehört und, was du doch zu deinem Leben zählst, was ein Zuhause wurde.

Und doch ist die einzige Liebe, die zählt eben die, die man gibt und nicht nimmt, weil die, die man gibt, die einzige ist, die BLEIBT, wenn man geht.
Das Zuhause, das wir alle irgendwo suchen, bei Menschen, an einem Ort oder sonstwo... das müssen wir in uns selbst finden. Denn das ist das einzig wahre Zuhause. Das einzige, aus dem dich keiner vertreiben kann und das einzige, das frei von deinem eigenen Ego ist.

Ich bin noch immer dieses Mädchen, das Lebenswertlisten schreibt, die, die schreibt, damit nicht alles Leid in ihrem Kopf bleibt, aber ich bin mittlerweile auch fast 30 und ne erwachsene Frau mit einem Leben, das sie mag und das ab und an auch - ganz einfach - ist.
Ich bin Irina und das ist alles, was ich je sein wollte und mehr als ich je erwartet habe.

Ich verstehe euch. Aber, wenn ihr euch wirklich wahrhaftig zuhause fühlen wollt, dann geht euch suchen und findet diesen Ort IN EUCH!
Wenn man liebt, lässt man gehen, auch, wenn es einem selbst weh tut... Man lässt gehen.

Und... es wird eine neue Generation geben. Es MUSS eine geben. Eine, die gegen das Leid anSCHREIT. "Denn wir werden aus Sümpfen des Schweigens schreiend hervor treten"
Und ich werde nie aufhören. Seifenblasen zu lieben und schaukeln und lila.blass.blau.

Aber das hier... ist ein Image... mehr nicht.

Euer Zuhause ist hier nicht und meines nicht irgendwo im Inet. Es ist in uns selbst.

Siehst du den Weg aus dieser Dunkelheit?
Willst du raus? Ich bin bereit!
...
Zeit, den Blog zurück zu versetzen die nächsten Tage. Wieder die alte gute Wüste mit dem "Dead End" der Seelenschwester.
Passt auf euch auf!
19.3.11 21:29
 



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